Vettel erlebt herben Rückschlag: Schumacher glänzt bei Verstappens Regen-Present

Vettel erlebt herben Rückschlag: Schumacher glänzt bei Verstappens Regen-Present

Besser hätte das Formel-1-Qualifying in Kanada für Max Verstappen nicht laufen können. Der Pink-Bull-Fahrer fährt auf abtrocknender Strecke auf Pole, die WM-Konkurrenz ist abgeschlagen. Fernando Alonso überragt, Mick Schumacher startet so weit vorne wie nie. Sebastian Vettel ist ratlos enttäuscht.

Max Verstappen ist der große Gewinner des Qualifyings zum Großen Preis von Kanada. Auf abtrocknender Strecke in Montreal deklassiert der amtierende Weltmeister und aktuelle WM-Spitzenreiter die Formel-1-Konkurrenz und sichert sich in 1:21,299 Minuten überlegen die Pole Place. Neben ihm in Reihe eins startet am Sonntag (20 Uhr/Sky und im Liveticker bei ntv.de) sensationell Fernando Alonso (+0,645 Sekunden) . Der Spanier pilotiert seinen Alpine zur zweitschnellsten Zeit des Tages – es ist das beste Ergebnis für den französischen Rennstall seit dessen Wiedereinstieg 2016.

Ein herausragendes Resultat feiert auch das Haas-Staff. Mick Schumacher zeigt sich trotz wechselhafter und damit anspruchsvoller Bedingungen mit einer mutigen Fahrweise und steht als Sechster (+2,057) soweit vorne in der Startaufstellung wie nie zuvor in der Formel 1. Unmittelbar vor ihm als Fünftem gelingt auch Kevin Magnussen (+1,661) eine starke Qualifikation, beide gehen somit mit berechtigten Hoffnungen auf Punkte in den Grand Prix auf dem Circuit Gilles Villeneuve. Für den Deutschen wären es nicht nur die ersten seit seinem Aufstieg aus der Formel 2, sondern auch die perfekte Reaktion auf die seit Wochen wachsende Kritik.

Der dritte Startplatz geht an Carlos Sainz im Ferrari (+0,797), der für die Scuderia immerhin den Schaden begrenzt. Charles Leclerc muss wegen umfangreicher Umbauarbeiten an seinem Motor vom Ende des Feldes arbeiten, nachdem das Aggregat des WM-Anwärters in der Vorwoche in Baku in Rauch aufgegangen battle. Als Vierter ins Rennen geht Lewis Hamilton (+1,592), der das Mercedes-interne Duell auch deshalb gewinnt, weil George Russell (8./+2,258) im finalen Quali-Abschnitt als einziger von Intermediates auf Trockenreifen wechselt, sich damit aber nicht verbessern kann.

Vettel weiß nicht, was das Downside ist

Für Ernüchterung bei Pink Bull sorgt dagegen Sergio Perez, dem Leclerc bei seiner Aufholjagd deutlich früher begegnen könnte als erwartet. Der Mexikaner, nach seinem Erfolg in Monaco und Platz zwei in Baku zum ersten Verstappen-Verfolger aufgestiegen, setzt seinen Dienstwagen in Q2 in die Streckenbegrenzung. Der Schaden hält sich den Bildern nach zwar in Grenzen, es folgt aber eine Rote Flagge und Perez muss aussteigen. Nach kurzer Unterbrechung geht die Zeitenjagd, auf abtrocknender Strecke wird WM-Zweite durchgereicht bis auf Platz 13- weil Leclerc angesichts der Strafen auf weitere Runden verzichtet.

Eine herbe Enttäuschung erlebt derweil Sebastian Vettel, gerade nach den Eindrücken aus dem Abschlusstraining. Nach dem überraschenden dritten Platz in der Generalprobe scheitert der Aston-Martin-Pilot schon im Q1. Auf der sich langsam verbessernden Strecke fehlen Vettel satte vier Zehntelsekunden auf Platz 15, verpasst als 17. den Sprung in den zweiten Abschnitt. “Kein Grip”, funkt er auf dem Weg in die Field missmutig und verleiht seinem Frust hörbar Ausdruck.

Dass Alex Albon diesen Sprung im Williams ins Q2 schafft, während Lance Stroll im zweiten Aston Martin als 18. mehr als eine Sekunde hinter Vettel liegt, muss das ambitionierte Staff des vierfachen Weltmeisters als klare Niederlage verbuchen. Der jüngste, zumindest leichte Aufwärtstrend ist damit unterbrochen. Für Vettel wird es im Rennen stattdessen nach Platz 10 in Monaco und Platz 6 in Baku diesmal wieder gehen, sich den Punkterängen möglichst schnell anzunähern. Trockene Bedingungen sind angesagt, was zumindest die heute erfolglose Suche nach Grip etwas erleichtern dürfte.

“Wir hatten irgendein Downside”, vermutet Vettel anschließend am Sky-Mikrofon, anders sei der Efficiency-Abfall zu den sehr soliden Trainings nicht zu erklären, “an irgendwas wird’s gelegen haben.” Immerhin: Durch die Startplatzstrafen gegen Leclerc gewinnt Vettel noch eine Place und wird von Platz 16 starten. Aber “wir stehen weiter hinten, als wir wollten.” Als die Formel 1 vor der Pandemie zuletzt in Kanada gastierte, 2018 und 2019, battle er im Ferrari jeweils von der Pole ins Rennen gegangen.