Terrorismus: IS reklamiert Anschlag auf Sikh-Tempel in Kabul für sich

Terrorismus: IS reklamiert Anschlag auf Sikh-Tempel in Kabul für sich

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IS reklamiert Anschlag auf Sikh-Tempel in Kabul für sich

Taliban-Kämpfer halten Wache am Ort einer Explosion. Foto: Ebrahim Noroozi/AP/dpa

© dpa-infocom GmbH

Bewaffnete attackieren eine Sikh-Gebetsstätte in Kabul. In dem von militanten Islamisten regierten Afghanistan wird das Leben für die ohnehin nur noch winzige Glaubensgemeinde immer gefährlicher.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat sich zu dem Anschlag auf einen Sikh-Tempel in der afghanischen Hauptstadt Kabul bekannt.

Der Angriff sei die Rache für herabwürdigende Kommentare, die ein indischer Politiker über den Propheten Mohammed geäußert habe, teilte die militant-islamistische Gruppe auf ihrem Telegram-Kanal mit.

Bewaffnete waren am Samstag in den Gurudwara, die Gebetsstätte der Sikh, eingedrungen und hatten das Gebäude mit Sprengkörpern und Feuer erheblich beschädigt. Nach Angaben des afghanischen Innenministeriums starben zwei Menschen, sieben wurden verletzt.

Der IS behauptete, die Angreifer hätten rund 50 Menschen verletzt oder getötet, darunter Hindus, Sikhs sowie Sicherheitskräfte der militant-islamistischen Taliban, die den Tempel umstellt und das Gelände schließlich gesichert hatten.

Mehrere Explosionen und Schüsse

Das Innenministerium erklärte den Einsatz gegen die Angreifer am Samstag für beendet, Sicherheitskräfte durchsuchten aber weiter das Gelände. Zwei Leichen der mutmaßlichen Angreifer wurden gefunden. Die Taliban gingen davon aus, dass die Täter zu zweit waren.

Nach Angaben des afghanischen Politikers und Sikh, Anarkali Honaryar, waren die Bewaffneten durch die Ein- und Ausgänge in den Gurudwara eingedrungen. Dort hatten sie mit Handgranaten um sich geworfen, dadurch brach Feuer aus. Videoaufnahmen aus dem Inneren der Gebetsstätte zeigten zersplitterte Fenster und herabhängende Wandverkleidungen. Örtliche Medien hatten von mehreren Explosionen und Schüssen auf dem Gelände berichtet. Videoaufnahmen zeigte den schwarzen Rauch, der vom Gebäude aufstieg.

Unter den Toten warfare dem Ministeriumssprecher Abdul Nafai Takur zufolge ein Mitglied der Sikh-Gemeinde sowie eine Sicherheitskraft der Taliban. Ob die Angreifer von den Sicherheitskräften getötet wurden oder sich selbst töteten, warfare nicht bekannt. Laut dem Sprecher hatten sie zuvor auch versucht, eine Autobombe in einer Menschenmenge hochgehen zu lassen, doch die Bombe sei zu früh detoniert. Niemand sei dadurch verletzt worden.

Zunächst bekannte sich keine Gruppe zu dem Anschlag, das Innenministerium sprach von «Rebellen». Orte und Mitglieder der Sikh sind wiederholt in ähnlicher Weise von IS-Anhängern angegriffen worden. Die militanten Islamisten sind auch Todfeinde der machthabenden Taliban, obwohl beide Gruppen sich aus Sunniten rekrutieren und sich ideologisch nahestehen.

Religiöse Minderheiten: Weniger als 60 Mitglieder

Honaryar zufolge leben noch weniger als 60 Mitglieder der religiösen Minderheiten der Hindus und Sikh im terrorerschütterten Afghanistan. Ein Großteil der einst in Kabul lebenden Anhänger hatte die Hauptstadt verlassen, als die Taliban im August 2021 die Macht übernahmen.

Einheimische Politiker sowie die Außenminister von Pakistan und Indien verurteilten den Anschlag auf die Kabuler Sikh-Gemeinde. Die Afghanistan-Mission der UN (Unama) forderte ein sofortiges Ende der Angriffe auf Zivilisten sowie den Schutz aller Minderheiten in Afghanistan einschließlich der Sikh, Hasara und Sufis.

Einige politische Beobachter deuteten den Anschlag als Reaktion auf kürzlich geäußerte Kommentare eines indischen Politikers über den Propheten Mohammed, welche der IS als beleidigend errachtete. Nach diplomatischen Annäherungen zwischen der afghanischen Taliban-Regierung und Indien hatte das IS-Propagandamazagin «Voice of Khurasan» die Taliban in einem auf englisch erschienenen Artikel als «polytheistisch» bezeichnet, additionally einer Anbetung vieler Götter wie im Hinduismus bezichtigt.

Der Sikhismus wiederum ist eine monotheistische Faith. Deren Anhänger leben mehrheitlich in Indien, stellen aber auch dort eine kleine religiöse Minderheit dar.

dpa

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